April 2022: Die Landarbeiter- und Ausländerkarteien

Bereits im November haben wir die Meldekarten der Stadt Brilon und des Amtes Thülen vorgestellt. In diesem Monat geht es nun um die Meldekarte für „Landarbeiter“ und „Ausländer“, die seit ca. 1940 in den jeweiligen Meldeämtern geführt wurden.

Sie enthalten die Daten von den Menschen, die während des Nazi-Regimes Zwangsarbeit hier vor Ort leisten mussten. Die ca. 1.000 Karteikarten zeigen, wie viele Menschen auch hier in Brilon und den Ortsteilen unfreiwillig Unterstützung in der Landwirtschaft und in der Industrie leisten mussten. In der Bürokratie des Regimes wurden nicht nur die Namen und Geburtsdaten der Personen erfasst, sondern auch ihre Staatsangehörigkeit, ihre Einsatzorte und Hinweise auf ihren Verbleib.

In einer Kooperation mit den Arolsen Archives ist es nun möglich, digitale Reproduktionen dieser Karten anzufertigen und diesen Opfern des Nationalsozialismus einen Namen in der weltweit umfassendsten Dokumentation zu NS-Verfolgten zu geben. Neben den Karteien der Zwangsarbeiter wird auch die „Judenkartei“ und die „Kartei zur Kriegsgräberakte“ digitalisiert. Insgesamt werden ca. 1.200 Karten zu ca. 1.400 Personen durch die Kooperation digital verfügbar sein.

Reproduktionen, die nicht den Schutzfristen nach dem Archivgesetz NRW unterliegen, werden die Arolsen Archives unter anderem auf der Plattform „Zooniverse – #everynamecounts“ bereitstellen. Diese Initiative ist ein digitales Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Hier werden Namen und Verfolgungswege erfasst. Mit #everynamecounts baut Arolsen das weltweit größte Online-Archiv über Verfolgte des Nationalsozialismus auf. Dem Stadtarchiv Brilon werden kostenfrei Kopien der erstellten Reproduktionen zur Verfügung gestellt. Das Stadtarchiv wird die Kopien in seiner Archivdatenbank einstellen, um sie so auch in Brilon zugänglich zu machen.

 

Info:

Die Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution/International Tracing Service (ITS) sind das internationale Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Die internationale Organisation wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg gegründet. 11 Mitgliedsstaaten, 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Fördervolumen von 15,4 €. Weitere Details unter www.arolsen-archives.org

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